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Iskanders Fund

  • Autorenbild: Claudia Zentgraf
    Claudia Zentgraf
  • 16. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Apr.

Die Berge öffneten sich, und Iskander starrte auf die weite Ebene. Sein Wasser war fast aufgebraucht, seine Füße brannten auf dem trockenen Gras, und die Hoffnung auf Regen war kaum mehr als ein Traum.

Dann entdeckte er eine verfallene Schutzhütte – und einen alten Wasserbeutel. Gerade als er ihn öffnete, waberte eine gelbe Wolke heraus, die sich zu einer seltsamen Gestalt formte.


Iskander warf einen Blick auf den türkisfarbenen Turban. Er war groß und rund wie das Gesicht des Marids. Die Stirnseite zierte eine prachtvolle Feder. Das tropfenförmige Ende der Feder schillerte wie ein Regenbogen. Er hatte das Gefühl, als starre ihn ein Auge an. Ein Federauge. Direkt über der Stirn des Marids.

„Du hast mich, mm, ja, hm, befreit.“ Die Stimme des Marids klang keineswegs mehr blechern. Allerdings dröhnte sie auch nicht wie die des Alptraum-Marids. Sie war hell wie die eines Kindes.

Iskander hob das Messer. „Hau ab! Geh in deinen stinkenden Beutel zurück, du lästige Wanze.“

„In diesen Beutel?“, fragte der Marid. „Nein, das tu ich, höhö, ganz bestimmt nicht.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah Iskander listig an.

„Oh, doch. Das tust du“, sagte Iskander, obwohl er beim besten Willen nicht wusste, wie er ihn wieder zurück in den Beutel bekommen sollte.

„Aber, aaaber“, sagte der Marid. „Du hast doch selbst gesagt, dass der Wasserbeutel stinkt.“ Er malte mit der Hand ein O in die Luft. Ein Lichtfunke erhellte den Raum. Im nächsten Moment hielt der Marid ein schwarzglänzendes Fläschlein in die Höhe.

„Puh! Puh! Puh!“ Mit halbgeschlossenen Augenlidern versprühte der Marid die Flüssigkeit. Auf der Stelle erfüllte ein opulenter Duft die Hütte. Iskander meinte, Vanille herauszuriechen, wie bei dem leckeren Gebäck, das es auf dem Markt zu kaufen gab. Gleichzeitig roch es irgendwie — blumig?

„Diesen Gestank musste ich lange genug aushalten. Mm, pff. Und nur damit du es weißt ...“, er zog die Luft hörbar ein, „iiich war das nicht.“ Der Marid ließ den Rest des Parfums in den Wasserbeutel rieseln.

Der Duft kribbelte in Iskanders Nase; er musste so stark niesen, dass ihm das Messer aus der Hand fiel.

„Holla! Gesundheit, Habibi.“ Der Marid grinste, wodurch die Enden seines dünnen schwarzen Oberlippenbarts wie zwei Vogelschwänze nach oben wippten.

„Habibi? Was ist das für ein Wort?“, fragte Iskander.

„Ein Gruß aus dem heißen Sand des Westens. Es bedeutet: Freund“, erwiderte der Marid und zwinkerte.

„Ich bin nicht dein Freund.“

„Aber warum hast du mich dann rausgelassen?“

„Das wollte ich nicht.“ Iskander hob das Messer auf.

„Nein? Och.“

Iskander schüttelte den Kopf. „Ich hatte Durst. Wer — wer bist du?“

„Ich bin Dschinn Yoldas Faramarz Roshan Al-Faruq, der Prächtige.“

Dieser Yoldas war ein Dschinn. Kein Marid. Deshalb wirkte er nicht so monströs und schaurig. Aber irgendwie beschlich Iskander das Gefühl, dass dieser Yoldas Faradings Al-Dingsbums selbst für einen Dschinn ziemlich unnormal war.

Yoldas rückte seinen Turban zurecht. „Und mit wem habe ich die Ehre?“

„Iskander.“

„Einfach nur Iskander?“

Iskander nickte. Vielleicht sollte er sich schnell noch einen Beinamen geben. Fehrat. Iskander Fehrat. Oder am besten zwei.

„Also, was willst du?“, fragte Yoldas mit halbgeschlossenen Augen.

„Ich will nichts. Ich habe ...“

„Du bist drollig. Ach, ich mag die Menschen.“ Yoldas kicherte. „Natürlich willst du etwas. Immerhin hast du drei Wünsche frei.“

„Ich habe – ach. Ja, wirklich?“


Drei Wünsche versprach er Iskander – aber wie immer bei Dschinns gilt: Vorsicht ist geboten. Durst, Gefahr, Magie – und ein Wunsch, der alles verändern könnte.


Wirst du Iskander folgen, wenn er sich traut, seinen ersten Wunsch auszusprechen?

 
 
 

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